Manchmal fällt Gundermann erst auf, wenn der Rasen nach dem Mähen wieder trocken ist: Zwischen den Grashalmen liegen dann flache, runde Blätter, und an den Rändern ziehen sich dünne Triebe in Richtung Beet. Wer sie herauszupft, nimmt oft nur ein Stück mit. Ein paar Wochen später ist die Stelle wieder grün. Das ist kein Zeichen dafür, dass man zu zaghaft war, sondern liegt an der Wuchsweise der Pflanze: Ihre Ausläufer wurzeln an den Knoten und können sich auf diese Weise Stück für Stück ausbreiten.
Gundermann, auch Gundelrebe genannt, ist nicht grundsätzlich ein unerwünschtes Gewächs. In einer naturnahen Ecke kann er blühen und Insekten Nahrung bieten. Im gepflegten Rasen oder zwischen jungen Stauden wird er jedoch schnell lästig. Dann hilft es, nicht nur die sichtbaren Blätter zu bekämpfen, sondern auch die Bedingungen zu verändern, unter denen er sich wohlfühlt.
Warum Gundermann im Rasen so hartnäckig bleibt
Gundermann wächst niedrig und bildet lange, kriechende Triebe. An den Stellen, an denen ein Trieb den Boden berührt, kann er Wurzeln schlagen. Beim oberflächlichen Jäten reißen deshalb häufig einzelne Stücke ab, während andere fest im Boden bleiben. Aus diesen Resten kann die Pflanze weiterwachsen. Wer nur die Blätter abschneidet oder regelmäßig sehr kurz mäht, schwächt den Bestand meist nicht ausreichend.
Begünstigt wird Gundermann durch einen Rasen, der Lücken lässt: etwa weil er im Schatten steht, der Boden verdichtet ist oder das Gras bei Trockenheit leidet. Wo die Grasnarbe dünn wird, bekommt die kriechende Pflanze Licht und Platz. Auch ein häufiger, sehr tiefer Schnitt ist wenig hilfreich. Das Gras verliert dabei Blattmasse, während Gundermann durch seinen flachen Wuchs oft unter dem Messer bleibt.
Bevor ich eine Maßnahme auswähle, schaue ich deshalb nicht nur auf die Ausbreitung, sondern auch auf den Standort. Sitzt Gundermann vor allem unter einer Hecke oder an der schattigen Nordseite, wird ein Rasen dort nie dieselbe Dichte erreichen wie auf einer sonnigen Fläche. Das ist keine Niederlage, sondern eine Information: Vielleicht passt dort eine andere Bodendecke besser als ein dauerhaft lückenanfälliger Rasen.
Im Rasen: Ausläufer entfernen und Gras stärken
Bei einzelnen Nestern ist Jäten oft die beste erste Maßnahme. Der Boden sollte leicht feucht sein, dann lassen sich die Triebe samt Wurzeln besser herausheben. Mit einer schmalen Grabegabel oder einem Unkrautstecher kann man die Wurzelknoten lösen, ohne ein großes Loch in die Grasnarbe zu reißen. Anschließend kontrolliere ich den Rand der betroffenen Stelle besonders sorgfältig: Dort verlaufen gern noch Ausläufer, die auf den ersten Blick wie einzelne Grashalme wirken.
Die herausgezogenen Pflanzen gehören nicht lose neben das Beet, wo sie wieder Bodenkontakt bekommen können. Bei einem kleinen, sauberen Bestand kann man sie trocknen lassen; bei größeren Mengen ist eine geeignete Entsorgung über die örtliche Grünabfallannahme die sichere Wahl. Auch im Kompost können Triebteile problematisch sein, wenn der Haufen nicht zuverlässig heiß wird. Nach dem Jäten die entstandene Lücke mit etwas Erde auffüllen und Rasensamen nachsäen. Bleibt der Boden offen, erobert Gundermann den Platz unter Umständen rasch zurück.
Damit die Nachsaat eine Chance hat, sollte die Grasnarbe künftig dichter und belastbarer werden. Mähe nicht zu tief; eine Schnitthöhe von ungefähr vier bis fünf Zentimetern ist für viele Gebrauchsrasen ein brauchbarer Richtwert, bei Schatten darf das Gras oft noch etwas höher bleiben. Bei anhaltender Trockenheit hilft selten ein kurzer täglicher Sprühgang. Besser ist, durchdringend und passend zum Wetter zu wässern, damit die Gräser tiefer wurzeln. Auf stark verdichtetem Boden kann vorsichtiges Lüften oder Aerifizieren helfen, sofern der Rasen tatsächlich unter Verdichtung leidet.
Wenn Jäten nicht reicht: Herbizide mit Augenmaß
Hat sich Gundermann über größere Teile des Rasens ausgebreitet, kann ein für Rasenflächen zugelassenes Mittel gegen zweikeimblättrige Unkräuter eine Möglichkeit sein. Es schädigt Gräser nicht automatisch, aber die Anwendung hängt vom konkreten Produkt ab. Entscheidend sind die Angaben auf dem Etikett: zugelassener Einsatzort, Aufwandmenge, Temperaturbereich, Wetterbedingungen und mögliche Wartezeiten. Ich würde nicht nach einem allgemeinen Internetrezept dosieren, denn Wirkstoffe und Konzentrationen unterscheiden sich.
Am ehesten wirkt eine Behandlung, wenn Gundermann aktiv wächst und ausreichend Blattmasse vorhanden ist. Häufig kommen dafür das Frühjahr oder der frühe Herbst infrage; bei Hitze, Trockenstress, Frostgefahr oder unmittelbar vor Regen sollte man nicht behandeln. Das Mittel muss die Blätter erreichen und gemäß Produktanleitung aufgenommen werden können. Nach dem Schnitt braucht die Pflanze meist erst wieder genügend Blattfläche. Ob und wann erneut behandelt werden darf, richtet sich ausschließlich nach der Gebrauchsanweisung.
Auch die Nachsorge gehört dazu. Abgestorbene Pflanzen hinterlassen kahle Stellen, die man möglichst zeitnah nachsäen sollte, sobald die Bedingungen passen. Sonst ist die Fläche zwar vorübergehend frei, aber nicht dauerhaft besetzt. Herbizide lösen das Standortproblem nicht: Ist der Rasen weiter lückig und geschwächt, können Gundermann oder andere Unkräuter erneut einwandern.
Verwende ein Pflanzenschutzmittel niemals auf Wegen, Terrassen oder anderen befestigten Flächen, wenn es dort nicht zugelassen ist. Von solchen Flächen können Mittel mit Regen in Gullys oder Gewässer gelangen. Hausmittel wie Salz oder Essig sind ebenfalls keine harmlose Abkürzung: Sie können Boden und benachbarte Pflanzen schädigen und sind für die Unkrautbekämpfung auf befestigten Flächen rechtlich problematisch. Bei Kindern, Haustieren und Nutzgärten zählen außerdem die jeweiligen Sicherheitshinweise und Wiederbetretungsfristen des Produkts.
Im Beet ist die Arbeit eine andere
Zwischen Stauden oder unter Sträuchern lässt sich Gundermann meist besser von Hand entfernen als im Rasen. Hier darf man den Boden vorsichtig lockern und die Ausläufer nach außen verfolgen. Arbeite dabei nicht hektisch mit der Hacke durch den Bestand: Zerteilte Triebe können an mehreren Stellen wieder anwachsen, und empfindliche Staudenwurzeln sind schnell verletzt. Bei dichtem Bewuchs ist es oft sinnvoll, abschnittsweise vorzugehen und die Fläche nach einigen Wochen erneut zu kontrollieren.
Eine Mulchschicht kann den Neuaustrieb bremsen, sofern zuvor möglichst viele Triebe entfernt wurden. Sie sollte nicht einfach über ein geschlossenes Gundermannpolster gelegt werden – kräftige Ausläufer finden sich häufig durch eine dünne Lage hindurch. Unter Gehölzen lässt sich außerdem eine passende, dichte Bodendecke etablieren. Welche Pflanzen geeignet sind, hängt von Licht und Boden ab. In sehr trockenem Wurzeldruck unter großen Bäumen wird eine neue Bepflanzung allerdings ebenfalls Zeit brauchen.
Wenn der Bestand direkt neben erwünschten Stauden liegt, würde ich auf ein flächiges Spritzmittel verzichten. Abdrift oder ein versehentlicher Kontakt können die Kulturpflanzen treffen. Ein gezieltes Herausziehen, wiederholtes Nacharbeiten und eine geschlossene Bepflanzung sind langsamer, aber deutlich kontrollierbarer. In einem größeren Zierbeet kann es mehrere Durchgänge brauchen, bis die letzten verwurzelten Knoten verschwunden sind.
Welche Methode passt zu welcher Fläche?
- Einzelne Pflanzen im Rasen: Bei feuchtem Boden samt Ausläufern ausstechen und die Lücke nachsäen.
- Größere Rasenbestände: Rasenpflege verbessern und gegebenenfalls ein ausdrücklich für Rasen zugelassenes Mittel nach Etikett verwenden.
- Gundermann zwischen Stauden: Triebe abschnittsweise von Hand entfernen, anschließend Mulch oder eine geeignete Bodendecke einsetzen.
- Bewusst naturnahe Ecke: Den Bestand begrenzen, etwa durch regelmäßiges Abstechen der Ausläufer, statt ihn vollständig zu beseitigen.
Woran man Fortschritt erkennt
Nach einer einzelnen Jätaktion ist die Fläche selten dauerhaft sauber. Ich rechne eher damit, nach zwei oder drei Wochen noch einmal nachsehen zu müssen. Besonders wichtig sind die Übergänge: Rasenkante, Beetanschluss, der Bereich um Trittplatten und die Stellen unter überhängenden Sträuchern. Dort bleiben leicht einzelne Triebstücke zurück. Bei größeren Flächen hilft es, sich die betroffenen Stellen zu merken oder kurz zu markieren, statt jedes Mal den ganzen Garten neu abzusuchen.
Gundermann lässt sich eindämmen, aber die passende Lösung hängt davon ab, ob man einen gleichmäßigen Rasen, ein gepflegtes Staudenbeet oder eine naturnahe Fläche erhalten möchte. Manchmal ist der beste Erfolg nicht, jede einzelne Pflanze verschwinden zu sehen, sondern den Bestand dort zu halten, wo er willkommen ist, und ihm an anderer Stelle keinen freien Boden mehr zu lassen. Dann wird aus einem scheinbar endlosen Kampf eine überschaubare Gartenentscheidung.
Foto von Peter Mammitzsch auf Unsplash
Zwischen Beeten, Gartenwegen und wilden Ecken entstehen oft die besten Ideen. Besonders spannend sind Gärten, die nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern auch nach Jahren noch funktionieren. Gute Gestaltung darf ruhig ein bisschen unperfekt sein.
