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Pflege der Amaryllis nach der Blüte – So versorgen Sie die Amaryllis richtig und fördern eine erneute Blüte

Wenn die letzten großen Blüten einer Amaryllis welken, wirkt die Pflanze oft plötzlich erledigt. Gerade dann landet sie leicht auf dem Fensterbrett, bekommt ab und zu einen Schluck Wasser und wird irgendwann vergessen. Dabei beginnt nach der Blüte die Arbeit, die über die nächste Blüte entscheidet: Die Zwiebel muss wieder Kraft sammeln. Das gelingt nicht mit einem besonderen Trick, sondern mit einigen Monaten guter Pflege – und später mit einer echten Ruhezeit.

Mit „Amaryllis“ ist im Handel meist der Ritterstern, botanisch Hippeastrum, gemeint. Seine Zwiebel kann viele Jahre weiterwachsen und erneut blühen. Allerdings ist das keine Garantie für eine Blüte im nächsten Winter: Nach einer üppigen Blüte braucht sie zunächst genügend Licht, gesunde Blätter und Zeit. Wer diesen Teil des Jahres ernst nimmt, hat deutlich bessere Chancen auf neue Blütenstiele.

Verblühte Stiele weg, gesunde Blätter dran

Sobald eine einzelne Blüte verwelkt, können Sie sie entfernen. So bildet die Pflanze keine Samen, für die sie zusätzliche Energie aufwenden müsste. Sind alle Blüten am Stiel verblüht, schneiden Sie den Stiel mit einem sauberen Messer oder einer Schere etwa zwei bis drei Zentimeter über der Zwiebel ab. Ziehen Sie ihn nicht heraus: Dabei kann Gewebe an der Zwiebel verletzt werden, und eine solche Wunde bietet einen unnötigen Eintrittspunkt für Fäulnis.

Die grünen Blätter bleiben stehen, auch wenn sie nach der Blüte etwas unordentlich wirken. Sie sind keine Dekoration, sondern versorgen die Zwiebel mit Energie. Ich lasse sie deshalb so lange an der Pflanze, wie sie grün und fest sind. Erst wenn sie später von selbst gelb werden und eintrocknen, beginnt die Ruhephase. Grüne Blätter aus optischen Gründen abzuschneiden, ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass eine Amaryllis im folgenden Winter nur Blätter statt Blüten hervorbringt.

Jetzt zählt das Wachstum der Zwiebel

Nach dem Abschneiden des Blütenstiels bekommt die Amaryllis einen hellen Platz. Ein Fenster mit viel Tageslicht ist geeignet; starke Mittagssonne direkt hinter Glas kann die Blätter allerdings erhitzen. Wenn sich die Pflanze zum Licht neigt, drehen Sie den Topf gelegentlich ein wenig. Ein warmer Wohnraum ist zunächst in Ordnung, doch dauerhaft sehr dunkle oder überheizte Plätze passen schlecht zur Erholungsphase.

Gießen Sie weiter, aber nicht nach einem starren Wochenplan. Prüfen Sie mit dem Finger, ob die obere Erdschicht abgetrocknet ist, und geben Sie dann Wasser. Der Wurzelballen soll nicht über längere Zeit völlig austrocknen, aber ebenso wenig nass stehen. Überschüssiges Wasser im Übertopf oder Untersetzer wird nach kurzer Zeit abgegossen. Besonders bei einer großen Zwiebel in einem kleinen Topf fällt Staunässe nicht immer sofort auf: Die Erde kann oben trocken aussehen, während unten noch Wasser steht.

Während die Blätter wachsen, hilft eine regelmäßige, maßvolle Düngung. Ein flüssiger Zimmerpflanzendünger etwa alle ein bis zwei Wochen ist in der Wachstumszeit ausreichend; bei einem kräftigen Dünger können Sie die angegebene Konzentration etwas reduzieren. Beginnen Sie damit nicht direkt nach dem Verblühen, wenn die Pflanze noch kaum Blattmasse hat. Erst wenn neues Wachstum sichtbar ist, kann sie die Nährstoffe sinnvoll nutzen. Zu viel Dünger macht die Zwiebel nicht automatisch blühfreudiger und kann die Wurzeln belasten.

Ein Sommerplatz im Freien kann viel bewirken

Wenn die Nächte frostfrei sind, darf der Ritterstern den Sommer draußen verbringen. Das kräftigt die Blätter und gibt ihnen meist mehr Licht als ein durchschnittliches Zimmerfenster. Gewöhnen Sie die Pflanze langsam an den Aufenthalt im Freien: zunächst an einen geschützten, hellen Platz ohne pralle Mittagssonne. Nach einigen Tagen kann sie mehr Licht bekommen, sollte aber nicht abrupt aus dem Wohnzimmer in volle Sonne gestellt werden. Sonst zeigen sich schnell helle, verbrannte Stellen auf den Blättern.

Ein Balkon, eine Terrasse oder ein geschützter Gartenplatz eignet sich, solange der Topf bei längerem Regen nicht ständig durchnässt wird. Kontrollieren Sie weiterhin die Erde und düngen Sie während des aktiven Wachstums. Im Freien können Blätter kräftiger und länger werden; das ist kein Zeichen dafür, dass die Pflanze aus der Form gerät. Wichtig ist vielmehr, sie rechtzeitig wieder hereinzuholen. Sobald die Nächte deutlich abkühlen, sollte sie an einen frostfreien Platz. Frost verträgt die Zwiebel nicht.

Im Spätsommer wird die Wassermenge allmählich reduziert. Das heißt nicht, dass man die Pflanze von einem Tag auf den anderen austrocknen muss. Weniger gießen, nicht mehr düngen und die Blätter natürlich ausreifen lassen – so kann sie in die Ruhephase übergehen. Bei manchen Pflanzen vergilbt das Laub rasch, bei anderen bleibt es noch eine Weile grün. Entscheidend ist nicht ein bestimmtes Datum im Kalender, sondern der Zustand der Pflanze.

Die Ruhephase: kühl, trocken und nicht zu eilig

Wenn die Blätter gelb geworden und eingetrocknet sind, können Sie sie vorsichtig entfernen. Stellen Sie die Zwiebel anschließend für ungefähr acht bis zehn Wochen an einen kühlen, trockenen und frostfreien Ort. Temperaturen um 10 bis 15 Grad Celsius sind meist passend. Während dieser Zeit wird nicht gegossen. Ein dunkler Abstellraum oder ein kühler Schrank kann funktionieren, sofern dort keine Feuchtigkeit steht und die Zwiebel nicht friert.

Der häufige Fehler in dieser Phase ist Ungeduld. Wer die Zwiebel schon nach wenigen Wochen wieder warm stellt und gießt, kann zwar Wachstum auslösen, aber nicht unbedingt einen kräftigen Blütenstiel. Umgekehrt muss man eine Amaryllis nicht monatelang völlig vergessen: Schauen Sie gelegentlich nach, ob die Zwiebel fest und gesund bleibt. Sie sollte nicht weich werden oder unangenehm riechen. Eine weich-matschige Stelle deutet auf Fäulnis hin und gehört nicht zur normalen Ruhe.

Manche Rittersterne behalten länger grüne Blätter oder beginnen von selbst wieder auszutreiben. In diesem Fall würde ich nicht versuchen, sie gewaltsam in eine Ruhephase zu zwingen, indem ich grünes Laub abschneide. Geben Sie der Pflanze weiter Licht und passen Sie das Gießen dem Wachstum an. Die Ruhephase lässt sich bei einer Zimmerpflanze nicht immer exakt nach Kalender planen, und nicht jede Zwiebel verhält sich gleich.

Der Neustart vor der nächsten Blüte

Nach der Ruhezeit holen Sie die Zwiebel an einen hellen, wärmeren Platz. Falls sie umgetopft werden muss, ist jetzt ein guter Zeitpunkt. Ein neuer Topf ist nicht jedes Jahr nötig; oft reicht es, die Erde nach einigen Jahren zu erneuern oder dann umzutopfen, wenn der Topf zu eng geworden ist. Verwenden Sie ein Gefäß mit Abzugslöchern und eine lockere, durchlässige Blumenerde. Der Topf darf eher knapp bemessen sein. Bei sehr viel Platz bleibt die Erde länger feucht, was die Zwiebel unnötig gefährdet.

Setzen Sie die Zwiebel so ein, dass ihr oberes Drittel sichtbar bleibt. Drücken Sie die Erde nur leicht an und gießen Sie zunächst sparsam. Sobald der Blütenstiel oder ein frischer Austrieb erscheint, darf es langsam etwas mehr Wasser sein. Gießen Sie möglichst auf die Erde und nicht in den Trichter zwischen den Zwiebelschuppen. Zu Beginn ist Zurückhaltung sinnvoll: Eine große, feuchte Erde-Menge um eine noch wenig aktive Zwiebel kann leicht zu Fäulnis führen.

Zeigt sich zuerst ein Blütenstiel, stellen Sie die Pflanze hell und drehen Sie den Topf bei Bedarf, damit der Stiel möglichst gerade wächst. Erst wenn Blätter erscheinen und die Pflanze wieder aktiv wächst, wird regelmäßig gedüngt. Der Blütenstiel kann sich innerhalb kurzer Zeit deutlich strecken; ein heller Standort verhindert, dass er sich unnötig stark zum Fenster neigt. Eine einzelne kräftige Zwiebel kann mehrere Blüten nacheinander öffnen, doch die Zahl und Größe hängen stark davon ab, wie viel Kraft sie zuvor sammeln konnte.

Wenn im Winter nur Blätter kommen

Eine Amaryllis, die nach der Ruhezeit ausschließlich Blätter bildet, ist nicht automatisch verloren. Häufig war die Zwiebel nach der vorigen Blüte zu erschöpft, bekam während des Sommers zu wenig Licht oder konnte nicht lange genug wachsen. Auch eine sehr junge oder kleine Zwiebel blüht nicht unbedingt jedes Jahr. Geben Sie ihr in diesem Fall eine normale Wachstumszeit mit Licht, Wasser und zurückhaltender Düngung, statt sie erneut frühzeitig in eine Ruhephase zu schicken.

Prüfen Sie außerdem, ob die Zwiebel fest ist und ob sie nicht zu tief in der Erde sitzt. Ein dauerhaft nasser Topf ist problematischer als ein etwas knapper Gießrhythmus. Nach einer besonders üppigen Blüte kann es ebenfalls ein Jahr dauern, bis die Reserven wieder reichen. Das ist kein Pflegeversagen, sondern Teil des Wachstumsrhythmus dieser Pflanze.

Die Amaryllis belohnt keine Hast. Während der Blüte scheint sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf wenige Wochen zu richten; danach wächst sie still weiter, Blatt für Blatt. Wer ihr diese unspektakuläre Zeit lässt, bekommt nicht immer genau am Wunschtermin eine neue Blüte – aber eine deutlich bessere Chance darauf. Und wenn sich nach Monaten Ruhe wieder ein fester, grüner Blütenstiel zwischen den Schuppen schiebt, versteht man, weshalb es sich gelohnt hat, die Zwiebel nicht vorschnell abzuschreiben.

Foto von Frank Eiffert auf Unsplash

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